Das Burgener Bühnchen lehrte in der diesjährigen Theatersaison untreue Ehemänner das Fürchten. Das Publikum ging begeistert mit.
Mehr als 500 Zuschauer drängten sich über fünf Abende hinweg im Burgener Gemeindehaus, um die neueste Darbietung der Akteure vom Burgener Bühnchen, der Theatergruppe des Heimatvereins Burgen e.V., mitzuerleben. "Männer sind auch nur Menschen" hieß die Komödie, die mit ihren drei Akten und zwei Stunden Spielzeit den Beteiligten einiges mehr abverlangte als der letztjährige Schwank "Die Rosskur". Die Prüfung wurde mit Bravour bestanden. "Mit diesem Erfolg haben wir den Ritterschlag erhalten," meint denn auch Regisseurin Lena Mager voller Stolz auf ihre ehrgeizige Truppe. Begeisterte Besucher von den renommierten Theatergruppen aus Monzelfeld und Wintrich konnten dem nur zustimmen.
Dabei war die Darbietung nicht ohne Risiko gewesen. Hatte man sich doch entschlossen die Rollen völlig anders zu besetzen als im letzten Jahr.
In der Rosskur als trampeliges Dienstmädchen Berta vom Publikum gefeiert, spielte Jutta Kruft dieses Jahr die honorige Ehefrau Linda Becker, die unter ihrem arbeitswütigen Ehemann Martin schwer zu leiden hat. Von Wutanfällen, bei denen auch mal eine Vase der Schwiegermutter zu Bruch ging, bis hin zu Verzweiflungstränen zog Jutta Kruft alle Register schauspielerischen Könnens. Viel Mut und Geschick bewies sie in ihrem Auftritt als verruchte Domina in schwarzem Leder-Outfit ("Leiden sollst du, Baby!!!") mit Peitsche und Handschellen, unter denen ihrem ahnungslosen Bühnengatten das Lachen endgültig verging. Überhaupt präsentierten sich die Frauen in dieser Komödie als das stärkere Geschlecht. Auch Carmen Haas, ebenfalls in einer Doppelrolle als einerseits treue Freundin Biggi und andererseits herrlich schlampige und lispelnde "Kontaktanzeige" Susi, brachte den fremdgehenden Martin ins Schwitzen. Das Publikum lachte Tränen bei ihrer krabbelnden Verfolgungsjagd rund ums Sofa. Wie eine Furie stürmte Ursula Kühl als eifersüchtige Ehefrau Conny Schmitt mit wilder Lockenpracht, Pistole und wie weiland die englische Margaret Thatcher mit der Handtasche um sich schlagend die Szenerie. Großartig, wie sie im Laufe des dritten Akts ihrem Kummer mehr und mehr in Alkohol ertränkte. Das genaue Gegenteil verkörperte die diesjährige Debütantin des Burgener Bühnchens Anne Vackiner-Konrad in der Rolle von Martin Beckers Chefin Rosalinde Müller-Lüdenscheid. Überzeugend gelang ihr die Wandlung von strenger, unterkühlter Karrierefrau zum Männer mordenden Vamp, für den "ein wehrloser Mann etwas ganz besonders Verführerisches" darstellte. Den Überblick über alle Wirrungen und Irrungen behielt indes die Haushälterin Lotte mit spitzbübischem Witz und Schlagfertigkeit (auch gegenüber dem Publikum), gespielt von Doris Becker-Wagner. Als heimliche Spionin für ihre ausgezogene Chefin Linda hielt sie während des ganzen Stücks die Fäden in der Hand und wickelte die intriganten Männer ein ums andere Mal um ihren kleinen Finger.
Apropos Männer. Wegen Männermangels waren die Akteure des Burgener Bühnchens dieses Jahr gezwungen gewesen, eine männliche Rolle aus der Komödie herauszuschreiben, was dem Handlungsablauf allerdings keinen Abbruch tat. Letztes Jahr noch als polternder Haustyrann in der "Rosskur" verkörperte Willi Mereien diesmal mit der gleichen Energie den prahlerischen Frauenhelden Robert Schmitt ("das meist genutzte Trainingsgerät an der ganzen Mittelmosel"), der seinen lieben Freund Martin mit allerlei Tipps zum Frauen-Kennenlernen versorgt. Ein Höhepunkt des Stücks war zweifellos das "Männergespräch" zwischen Martin und Robert mit seinen weiblichen Rollenspielen auf dem Kueser Plateau und während einer Zugfahrt. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, am Ende musste Robert vor seiner zürnenden Rachegöttin und Ehefrau Conny in die Knie gehen und sich als kleines Würstchen outen, das alle Frauengeschichten nur erfunden hat, um damit anzugeben. Willi Mereien hatte sichtlich Spaß an der Demontage seiner Bühnenfigur und dabei das Publikum wie schon letztes Jahr fest im Griff.
Die Entdeckung dieser Saison aber ist Markus Lorenz in der Hauptrolle als verirrter Ehemann Martin. In der "Rosskur" hatte er als sadistischer Stallknecht nur zwei kurze Auftritte gehabt, diesmal stand Markus Lorenz zwei Stunden fast ununterbrochen auf der Bühne, was nicht nur von ausgezeichneter Textkontrolle spricht, sondern auch von großer Leidensfähigkeit angesichts der Hitze der Scheinwerfer. Unterstützt von seiner ausdrucksstarken Mimik gelang es ihm mühelos das Gefühlschaos eines verlassenen Ehemannes glaubhaft auszubreiten. Ob mit Brummschädel nach einer durchzechten Nacht, gejagt vom Frauen-Albtraum Susi oder wehrlos einer französischen Domina ausgeliefert - Markus Lorenz meisterte seine Rolle souverän und mit stetig zunehmender Lust am Spiel. Das Publikum honorierte es mit begeistertem Applaus.
Wie letztes Jahr präsentierte sich das Burgener Bühnchen mit allen Aktiven vor und hinter der Bühne auch diesmal als geschlossenes Team. Die helle, moderne Bühne war das Werk von Walter Kühl, Thomas Lorenz, Manuel Bauer und Udo Kowanda. Neu waren ein Bühnenvorhang sowie eine Scheinwerferleiste, die Beleuchter Stefan Klären installierte. Ton in Form von Musik und Geräuschen gab's diesmal auch, eingespielt von Ed Paterson, Perücken für die weiblichen Akteure besorgte und stylte Gerlinde Haas, und der gute Geist aus der Flasche bzw. Kiste war als Souffleuse erneut Mirjam Lossjew. Auch dieses Jahr wurde eine der Aufführungen für die Nachwelt und eventuelle Kaufinteressenten von Dieter Petry und Peter Kowanda auf Video und CD festgehalten. Besonderer Dank gilt den vielen Helfern und Helferinnen in der Küche und hinter der Theke, die alle Aufführungen hindurch mit viel selbstlosem Einsatz für das Wohl der Zuschauer sorgten.
Heimatvereinschef Peter Mittler konnte also zufrieden schmunzeln: vier Aufführungen restlos ausverkauft und wegen der großen Nachfrage sogar kurzfristig eine Zusatzveranstaltung organisiert. Ein rundum erfreuliches Ereignis. Wir dürfen gespannt sein auf nächstes Jahr.